Welche Geschichten erzählst du dir über dich selbst?

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Glaubenssätze prägen die Wahrnehmung unserer Realität. Nennen wir die Glaubenssätze einmal Geschichten, die du dir über dich selbst erzählst.

Welche sind das?

Erzählst du dir vielleicht, dass du dieses oder jenes sowieso niemals lernst? Das du nicht besonders gut aussiehst? Dass du dies oder das sowieso niemals erreichen wirst? Dass dies oder das einfach so ist und sich nie ändern kann, weil das gar nicht geht, weil das nicht möglich ist?

Oder erzählst du dir, dass du bei Frauen bzw. Männern einfach ohne viel dazutun gut ankommst? Dass du immer genug Geld hattest und haben wirst? Dass du noch nie wirklich krank warst und das auch so bleibt? Dass du mit 35 Jahren verheiratet und zwei Kinder haben wirst ohne dir dafür irgendwelche Mühen machen zu müssen?

Beide Arten von Geschichten prägen unser Leben. Die Entscheidung, welche Geschichten du dir und anderen erzählst liegt bei dir.

Die Frage ist einfach, welche Geschichten machen dich glücklich und zufrieden.

Geschichten über dich prägen dein Leben.

 

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Fokus II

Fokus können wir auf drei Wegen bzw. inneren Repräsentationen erzeugen:

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Abb. 2

Grundsätzlich stehen uns die drei Wege einzeln zur Verfügung, doch die Erfahrung lehrt, da die letzte Stufe die anderen enthält, dass ihre Kraft und (Manifestations-) Geschwindigkeit am weit größten ist.

Fokus I.

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Reinhold Messner erzählte auf einem Vortrag, dass er in der zwei Jahre währenden Vorbereitung auf eine Achttausenderbesteigung morgens als ersten Gedanken „den Berg“ hatte und am Abend als letzten „den Berg“. Das heißt nicht, dass er den ganzen Tag an den Berg dachte, aber als erstes und als letztes. Da er die Berge ohne Sauerstoffgerät bestieg, wusste er, dass seine Entscheidung so sehr in sein Unterbewusstes gedrungen sein musste, dass kein Zweifel dort oben in den unwirtlichsten Bedingungen aufkommen durfte. Sein Langzeitfokus machte das möglich.
Neben dieser inneren Unerschütterlichkeit, führt der Fokus zur Ausbildung einer weiteren Qualität. Die Fokussierung öffnet die eigene Wahrnehmung. Wie eine Frau, die gerne schwanger werden möchte, plötzlich lauter Schwangere sieht, die sie bisher nicht wahrnahm. So beginnt jemand mit einer kristallklaren und fokussierten Vision, die Dinge zu sehen, die ihm bzw. ihr auf diesem Weg helfen können. Anderenfalls würden sie in der Masse der Eindrücke untergehen. Wir filtern unbewusst aus der Wirklichkeit, aus all dem, was bereits da ist, das, was für uns von Belang ist. Hierbei ist zu beachten, dass dieser Fokus aber auch nicht zu fixiert und starr sein darf. Das gelingt, indem wir uns für die neue Wahrnehmung öffnen und nicht dahingehend verengen. Es geht nicht darum, bestimmte Dinge oder Ereignisse zu erwarten. Es geht um die Erlaubnis, Gelegenheiten wahrnehmen zu dürfen. Ist der Blick zu sehr vom Kopf gesteuert bzw. gelenkt, entspringt das Spektrum der Möglichkeiten und Wege, die uns zum Ziel zur Verfügung stehen nur unserem Denken, so entgehen uns all die Möglichkeiten die das Feld noch im Angebot hat.

Lebensträume

‚Träume sind Schäume‘ behaupten viele. Doch wie wäre jemals etwas erfunden worden, wenn es keine Träumer gäbe? Träumer träumen Kreationen, sei es eine bestimmte Situation, ein Objekt oder eine ganz bestimmte Erfahrung. Träumer verlassen die gegenwärtige Realität. Genau das scheint manche Menschen zu ängstigen. Aber zweifellos ist es nicht allein mit dem Träumen getan. Ein Luftschloss braucht Erdung sonst bleibt es in den Wolken hängen. Die Herausforderung ist nicht das Träumen, sondern die Verwirklichung. Ansonsten löst sich tatsächlich alles auf wie der Schaum in der Wanne.

‚Lichtzeichen‘ (Erzählung)

Am Ufer gegenüber beginnt ein Licht zu blinken. –
Den ersten Abend denkt er sich nichts dabei. Den zweiten Abend beobachtet er es genauer. Es sind in regelmäßigen Abständen die gleichen Zeichenfolgen. Lichtzeichen gegen Ende der Dämmerungs­zeit. Wenige Minuten, dann nicht mehr. Was haben sie zu bedeuten? Er kennt sich mit Morsezeichen nicht aus. Im Internet sind sie schnell gefunden. Am nächsten Abend versucht er die kurzen und langen Signale mitzuschreiben. Es ergeben sich tatsächlich Wörter, zwei Wörter, die sich mehrmals wiederholen. Lateinische Wörter. ‚Reperio lucem‘. ‚Finde das Licht.‘ Jemand sendet allabendlich die Worte ‚Finde das Licht‘ in lateinische Sprache über den See. Was sollte das?
Soweit er es an den folgenden Abenden beobachten kann, antwortet niemand. Für wen sind diese Zeichen denn dann? Was sollte das überhaupt bedeuten ‚Finde das Licht‘? Ein Hilferuf wohl kaum. Es klingt viel eher wie ein Aufruf. Ja!
Bei genauerem Hinsehen ist gerade noch zu erkennen, dass die Lichtzeichen aus einem Turm geschickt werden. Vielleicht ein Kirchturm, aber das ist auf diese Entfernung nicht eindeutig zu sehen. Ein Turm in einem kleinen etwas oberhalb des Sees gelegenen Dorf auf der anderen Seite.
Am nächsten Vormittag findet er dort allerdings zwei Kirchen so nah beeinander, dass es von seinem Zimmer wie eine wirkte. Die eine neu, die andere alt und lange schon unbenutzt. Die Neue macht keinen angenehmen Eindruck auf ihn, sie wirkt kalt und unsympathisch schon von außen. Von dort können die Lichtzeichen unmöglich kommen. Die alte Kirche sieht zwar äußerlich nicht mehr sehr reizvoll aus, aber sie hat, je näher er ihr kommt, eine fast magi­sche Anziehungskraft. Durch eine kleine halb offene Seitentür kann er sie betreten. Das Innere ist in dämmeriges Licht ge­hüllt. Eine Ecke trennt ihn vom Chor. Zwei Schritte noch und er tritt ein – in Sonnen­licht je weiter er geht. Dann bleibt er stehen. Etwas Sonderbares be­ginnt in seinem Innersten zu geschehen. Er schaut hinauf in die Kuppel. Lichtstrahlen fallen durch zerbrochene Scheiben. Plötzlich löst sich etwas aus einer Nische. Eine weiße Taube fliegt lautlos auf und davon. Und gleichsam mit ihr lösen sich Sorgen und Ängste aus seiner Brust. Uralte bedrückende Gedanken ziehen wie dunkle Schatten aus seinem Herzen, der Taube folgend. Sein Oberkörper füllt sich mit Luft wie zuletzt in Kinder­tagen so leicht. Was für ein Gefühl. Alles Schwere fällt Stück für Stück von ihm ab. Ein Windzug lässt ganz in der Nähe eine Glocke hell erklingen. Das Leben erscheint ihm plötzlich so klar und schön. Warum macht er sich eigentlich ständig Sorgen, wo­vor hat er Angst? Nichts entfernt weiter von sich als diese düsteren Ge­danken, diese Dämonen der Dunkelheit. In diesem Licht ist alles leicht. Sicherheit und Geborgen­heit durchströmt ihn. Er schließt die Augen und spürt diesen Augen­blick mit jeder Faser seines Körpers. Wärme fließt bis in die äußersten Zellen seiner Zehen, Ruhe breitet sich aus bis tief in sein Herz. Mit allen Sinnen nimmt er auf, um auch in Zukunft an jedem Ort in diesen Augenblick eintauchen zu können. Er weiß, dass er sich so jeder Zeit die Gelassenheit dieser Minuten zurückholen kann. Ein lange ge­hegter Wunsch. Wie lange er dort steht, weiß er im Nachhinein nicht mehr. Die Zeit stand still für ihn.
Auf der Rückfahrt erst fällt ihm wieder ein, weshalb er eigentlich in die Kirche trat. Doch … er hat sein Licht gefunden, ein wunderbares Geschenk.

Auch an seinen letzten Abenden am See tauchen die Lichtzeichen unermüdlich am Ufer ge­genüber auf.

‚Der Rosenbusch‘ (Parabel)

Der Rosenbusch stand dort schon seit vielen vielen Jahren. Doch in den letzten Monaten waren seine Blätter winzig klein geworden, obwohl die Wurzeln bis tief in den Boden reichten, wo sie Feuchtigkeit fanden. Die Blüten verloren an Farbe, ihr Duft verschwand mehr und mehr. Traurig wurde ihm zumute. Er ließ gelegentlich schon einige seiner Köpfe hängen.
Auch der alte Turm an den er sich lehnte wußte keinen Rat. Der schmale Weg, der zu ihm führte, hatte einst den Wurzeln des Rosenbusches den Weg versperrt. Es war kein Durchkommen gewesen. Aber damals ging es ihm noch richtig gut, da wuchsen die Äste, die Blüten und die Blätter über den Weg hinweg und ließen einen heimeligen Blütengang zum Eingang des Turmes entstehen. Was war nur los mit ihm? Er wusste es nicht.
An einem der ersten schönen Frühlingstage kam ein kleines Mädchen mit einer roten Schleife im schwarzen Haar vorbeispaziert. Sie schaute den Turm hinauf. Er schien ihr nicht besonders groß, das neue Parkhaus gleich gegen­über war viel größer. Doch den alten Turm mit seinem Rosenbusch fand das Mädchen schöner. „Mir ist kühl hier unten, ich will hinauf auf den alten Turm gehen und die Sonne suchen“, sprach sie vor sich hin.
Die Tür ließ sich nur schwer öffnen. Sie knarrte in den Angeln. Oben angekommen trat das Mädchen sogleich in einen Sonnenstrahl. „Wie schön“, sagte sie, „hier oben hat sich also die Sonne versteckt.“
Das hörte der Rosenbusch. Die Sonne hatte er seit vielen Wochen nicht mehr gesehen. Er fragte sich die ganze Zeit schon, wo sie geblieben war. Die Sonne hatte ihn immer gewärmt, auch wenn es ihm einmal nicht so gut ging, weil ein Ast ihn schmerzte oder er Blüten verloren hatte. „Vielleicht kann die Sonne mir helfen“, dachte er bei sich. „Ich will sie fragen.“
In den kommenden Wochen machten seine Äste sich auf den Weg hinauf zu den Zinnen des Turmes. Schon bald nachdem die ersten Blüten und winzigen Blätter die Wärme der Sonne spürten, verschwand die Traurigkeit aus dem Rosenbusch. Seine Blätter wurden größer und größer und seine Blüten begannen wieder zu duften. Er vergaß, weshalb er eigentlich hinauf­gewachsen war.
Als eines Tages das Mädchen wieder einmal vorbeikam und auf den Turm stieg, bestaunte sie den herrlich duftenden Rosenbusch. Sie nahm einen tiefen Atemzug davon mit nach Hause.

‚Der kleine Pianist‘ (Erzählung)

Er spielt nicht in großen Konzertsälen.
Auch nie für sich allein.
Der kleine Pianist spielt für jeden und doch für niemanden.
Er spielt für die, die den Boden unter den Füßen verloren haben und auch für die, die zu träumen nicht mehr wagen.
Er kommt und geht, wenn du ihn am dringendsten brauchst. Den rechten Zeitpunkt findet jedoch nur er.
Wünsche zu erfüllen ist nicht sein Begehren.
In größter Einsamkeit und tiefster Melancholie kannst du ihn spielen hören.

Als Maya ihn hörte, begann sie zu weinen. Lange war ihr diese Tür verschlossen.
Als Mika die Töne erreichten, konnte er endlich wieder seine Träume erinnern.
Als Elsa das stille Spiel der Klänge auch nur erahnte, wusste sie, dass es jetzt Zeit ist zu gehen.
Als Karl der Musik lauschen konnte, atmete er auf und wusste, dass er es geschafft hatte.
Als Frieda sie hörte, wurde sie ruhig und fand zu sich selbst – nach vielen Jahren.

Doch keiner konnte je sagen, wer diese Musik gespielt hat. Die Musik, die ihre Herzen berührte und Offenheit brachte.

Der kleine Pianist spielt auch heute noch. Doch sein Spiel bleibt von den meisten ungehört.
Vor langer Zeit hörten ihn viele spielen. Er brachte ihnen Trost in hoffnungslo­ser Stunde. Stille der Gedanken, wenn es Zeit war zu sein.
Das ist lange her.
Die meisten Menschen haben aufgehört zuzuhören – sich, anderen und dem Sein.
Wenn das Rauschen der Bäume und das Brechen der Wellen mehr ist als Geräusch, dann kannst du ihn vielleicht, in Stunden tiefer Andacht, auf seinem kleinen schwingengleichen Flügel spielen hören.